Statement zum Lesbenfrühlingstreffen 2021

Bundesstiftung Magnus Hirschfeld StatementDie Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH) fördert das Lesbenfrühlingstreffen (LFT) 2021 mit einer Gesamtsumme von 2.700 Euro. Das Lesbenfrühlingstreffen ist ein Vernetzungstreffen für Lesben, das seit den 1970er Jahren jährlich in wechselnden Städten in Deutschland stattfindet. Organisiert wird es jedes Jahr von einem neuen Organisationsteam.

Mit Sorge und Unverständnis haben wir feststellen müssen, dass das LFT 2021 trans* Lesben ausschließt und das Programm explizit trans*feindiche Programmpunkte beinhaltet: So wird in mehreren Workshop-Beschreibungen das Narrativ aufgerufen, trans* Frauen seien „Männer, die sich als Frauen verkleiden, um in Frauenschutzräume einzudringen“. Dieses Narrativ macht die Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen, die viele trans* Frauen, insbesondere trans* Frauen of Color, erleben, unsichtbar. Des Weiteren wird in einer Workshop-Beschreibung der Begriff „Genderideologie“ verwendet. Dieser Begriff wird vornehmlich in antifeministischen, rechten und populistischen Bewegungen genutzt, um Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsarbeit zu diffamieren und Falschbehauptungen zu verbreiten.

Das Organisationsteam des LFT 2021 hat im Januar 2020 einen Antrag auf Förderung des Programmhefts gestellt, der von der Stiftung nach Begutachtung im Dezember 2020 bewilligt wurde. Die Organisatorinnen formulierten in ihrem Antrag ausdrücklich das Ziel, „radikal-feministische und queer-feministische Strömungen miteinander ins Gespräch [zu] bringen“. Dies wurde bei der Begutachtung unserer Stiftung als wichtiger Beitrag zu fruchtbaren Auseinandersetzungen innerhalb der Communitys erachtet.

Zum Zeitpunkt der Bewilligung lag der BMH das Programm des LFT 2021 noch nicht vor. Die BMH hat sich für eine Förderung entschieden, da die im Antrag angedachten Dialoge zwischen verschiedenen lesbischen/feministischen Strömungen wichtig und notwendig sind. Ein Programm jedoch, das trans* Personen explizit ausschließt und in Teilen trans*feindlich ist, hätte die BMH nicht gefördert. Die BMH kritisiert diese Ausschlüsse scharf und distanziert sich ausdrücklich von den trans*feindlichen Inhalten des LFT 2021.

Die BMH greift grundsätzlich nicht in die Gestaltungsautorität von Projektträger_innen ein. Das LFT hat sein Programm selbst zu verantworten, und wir haben die Organisatorinnen des LFT 2021 um eine öffentliche Stellungnahme gebeten. Die BMH nimmt den vorliegenden Fall allerdings zum Anlass, Mechanismen zu entwickeln, die künftig sicherstellen, dass mit Fördergeldern der BMH keine diskriminierenden Inhalte gefördert werden.

Die BMH spricht sich nachdrücklich gegen Trans*feindlichkeit und gegen eine Spaltung von lesbischen und trans* Bewegungen aus. Viele Lesben sind trans*, viele trans* Personen sind lesbisch. Lesbische und trans* Bewegungen eint der Kampf für Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. Solidarische Bündnisse sind notwendig und sehr wichtig – in Zeiten erstarkender rechter Bewegungen umso mehr, um Sexismus, Heteronormativität und starren Geschlechterbildern entschieden entgegenzutreten.