Über die Stiftung

Wissen schafft Akzeptanz.

Geschäftsstelle der Stiftung im Erdgeschoss des Bürohauses Mohrentraße 34 am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte.

Geschäftsstelle der Stiftung im Erdgeschoss des Bürohauses Mohrentraße 34 am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte.

ZIELE

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH) wurde am 27. Oktober 2011 von der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium der Justiz, errichtet. Die Geschäftsstelle hat ihren Sitz in Berlin. Benannt ist die BMH nach dem Arzt, Sexualforscher und Mitbegründer der ersten deutschen Homosexuellenbewegung Magnus Hirschfeld (1868-1935).

Die Stiftung hat zum Ziel, an Magnus Hirschfeld zu erinnern, Bildungs- und Forschungsprojekte zu fördern und einer gesellschaftlichen Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, trans- und intergeschlechtlichen sowie queeren Personen (Abkürzung: LSBTTIQ) in Deutschland entgegenzuwirken. Die Stiftung will dabei die Akzeptanz von Menschen mit einer nicht-heterosexuellen Orientierung in der Gesellschaft insgesamt fördern; gleiches gilt für Menschen, die sich nicht ausschließlich als Mann oder Frau definieren.

Die Arbeit der Stiftung stützt sich auf drei Pfeiler: Forschung, Bildung und Erinnerung. Die Satzung sowie das Forschungs- und Bildungsprogramm beschreiben die Details der Stiftungsaufgaben und -tätigkeit.

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld verwirklicht auch eigene Projekte: Im Mittelpunkt steht dabei die Erforschung und Erinnerungen der Verfolgung und Repression von LSBTTIQ im Nationalsozialismus in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte München-Berlin (IfZ) und weiteren Kooperationspartnern.

FORSCHUNG

Die Stiftung fördert die Erforschung geschlechtlicher und sexueller Diversität. Dabei geht es um Perspektiven der Sozial-, Gesundheits-, Politik- und Geschichtswissenschaft ebenso wie der Sexual- und Kulturwissenschaft und der Psychologie. Einbezogen sind auch die neuere Frauen- und Männerforschung. Die Stiftung will gezielt Impulse geben und die Vernetzung fördern. Unterstützt werden sollen auch die Arbeit von Archiven sowie Publikationen über die Erkenntnisse aus Bildungs- und Forschungsprojekten. Mittel- und längerfristige Ziele sind zudem der Aufbau einer Forschungsdatenbank mit Universitäten und Archiven sowie ein eigenes Stipendienprogramm der BMH. Zweimal jährlich entscheidet die Stiftung über ihre Förderung. Die Stiftung setzt Akzente in folgenden Forschungsfeldern:

Geschichte

Die BMH fördert die Erforschung der Geschichte der LSBTTIQ, ihrer Diskriminierungen, Repressionen und Verfolgungen, ihrer gesellschaftlichen Emanzipationsprozesse (zum Beispiel Homosexuellenbewegungen) sowie ihres Alltags – vornehmlich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur heutigen Zeit.

Diversität

Die Stiftung fördert die Erforschung der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt, der LSBTTIQ-Lebensformen sowie der Nützlichkeit und Sinnhaftigkeit der Anerkennung von Diversität für ökonomische, politische, soziale und kulturelle Kontexte.

Intersektionalität

Die BMH fördert die Erforschung des Zusammenwirkens identitätsgenerierender Kategorien – vor allem Geschlecht/Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung, soziale, ethnische und religiöse Zugehörigkeit, Alter und Behinderung – und der Prozesse der Stereotypisierung sowie der ideologischen Ein- und Ausblendung solcher Kategorien. Darüber hinaus beteiligt sich die Stiftung als Drittmittelgeberin an externen, dem Stiftungszweck dienenden Forschungsprojekten.

BILDUNG

Einhergehend mit dem Forschungsprogramm sieht die BMH in der Initiierung und Förderung von Maßnahmen und Projekten der LSBTTIQ-lebensweltorientierten Bildungsarbeit in Deutschland sowie deren Evaluation eine wichtige Aufgabe. Durch den Ausbau und die Vernetzung der Schulaufklärungsprojekte, die Jugend- und Erwachsenenbildung sowie der Bildungsarbeit, die sexuelle Vielfalt thematisiert, soll die Akzeptanz von LSBTTIQ unter anderem in Schule und in der Arbeitswelt gefördert werden.

Im Bildungsbereich kooperiert die Stiftung zum Beispiel mit der Stiftung Akademie Waldschlösschen: Gemeinsam werden Seminare und Fortbildungen zur Lebenswelt von LSBTTIQ in der Hirschfeld-Akademie angeboten.

ERINNERUNG

Die BMH unterstützt oder initiiert Veranstaltungen an Gedenk- und Aktionstagen. Beispiele hierfür sind unter anderem der Geburts- und Todestag von Magnus Hirschfeld (14. Mai, z.B. an der Hirschfeld-Stele in Berlin-Charlottenburg), Gedenktage im Zusammenhang mit der NS-Diktatur sowie der Internationale Tag gegen Homo- und Transphobie (IDAHO, 17. Mai).

Ein zentrales Projekt zur Erinnerung an Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter* stellt das Archiv der anderen Erinnerungen dar. Dieses Videoarchiv entsteht in Zusammenarbeit mit Bundesländern (zum Beispiel dem Land Berlin), Archiven, Universitäten und weiteren Einrichtungen und Verbänden. Es beinhaltet Lebensgeschichten von LSBTTIQ-Zeitzeug_innen, die unmittelbar oder mittelbar unter den Folgen des Paragraphen 175 StGB in der frühen Bundesrepublik beziehungsweise des Paragraphen 151 StGB in der DDR gelitten haben.

Das Kooperationsprojekt mit dem IfZ zur Erforschung der Verfolgung und Repression von LSBTTIQ hat ebenfalls einen Erinnerungs- und Bildungsauftrag.

VERANSTALTUNGEN

Zu den festen Veranstaltungen, die die Stiftung teils auch gemeinsam mit Kooperationspartnern durchführt, gehören unter anderem: Die Hirschfeld-Tage, die alle zwei Jahre in anderen Regionen Deutschlands stattfinden (zum Beispiel 2. Hirschfeld-Tage 2014 in NRW), wissenschaftliche Vorträge wie zum Beispiel die Hirschfeld-Lectures, Bildungsworkshops sowie eigene Tagungen und Kongresse.

Die Hirschfeld Lectures sind eine von der Stiftung getragene wissenschaftliche Vortrags- und Diskussionsreihe – samt einer Schriftenreihe, die im Wallstein Verlag erscheint. Die Stiftung organisiert eigene Workshops und Tagungen – zum Besipiel zur Verfolgung und Repression von LSBTTIQ oder zur Zeitzeug_innen-Suche (Archiv der anderen Erinnerungen). Im November 2013 veranstaltet die Stiftung den 1. LSBTTIQ-Wissenschaftskongress „Gleich-Geschlechtliche Erfahrungswelten“, der ein breites Spektrum wissenschaftlicher Forschungsprojekte zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt präsentiert.

STRUKTUREN UND PERSONEN

An der Planung und Durchführung der Projekte, die dem Erreichen der genannten Ziele dienen, sind drei Gremien (Organe) der Stiftung beteiligt: Das Kuratorium, der hauptamtliche Vorstand und sein Team in der Geschäftsstelle sowie der Fachbeirat. Den Vorsitz des Kuratoriums hat die/der amtierende Bundesjustizminister_in inne.

Das Kuratorium fasst die wesentlichen Beschlüsse der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und überwacht die Arbeit des Vorstands. Es besteht aus Mitgliedern, die vom Deutschen Bundestag, von fünf Bundesministerien sowie von neun LSBTTIQ-Organisationen gewählt beziehungsweise benannt werden. Sie sind ehrenamtlich tätig. Der Zustimmung des Kuratoriums bedürfen insbesondere: Entscheidungen über die Grundzüge des Forschungs- und Bildungsprogramms; die Vergabe der Stiftungsmittel für Forschungsaufträge und Bildungsarbeit; die Vermögensverwaltung sowie wichtige Haushalts- und Personalangelegenheiten.

Der Vorstand der Stiftung besteht aus einer natürlichen Person. Er/Sie führt die Geschäfte der Stiftung, soweit sie nicht dem Kuratorium zugewiesen sind. Der Vorstand ist hauptamtlich für die Stiftung tätig. Seit dem 10. November 2011 ist Jörg Litwinschuh Vorstand der BMH. Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre, eine Wiederwahl ist möglich.

Der Fachbeirat besteht hauptsächlich aus Wissenschaftler_innen und Bildungsexpert_innen, die sich auf einem oder mehreren Fachgebieten mit Bezug zu den Stiftungszwecken einen Namen gemacht haben. Sie werden vom Kuratorium für die Amtszeit von vier Jahren gewählt und sind wie das Kuratorium ehrenamtlich tätig. Der Beirat berät insbesondere bei der Vergabe der Stiftungsmittel, indem er Gutachten zu Förderanträgen oder Stellungnahmen im Auftrag des Kuratoriums oder des Vorstands verfasst. Zudem engagieren sich Fachbeiräte in verschiedenen Arbeitsgruppen, zum Beispiel zu „Verfolgung und Repression“, „Zeitzeug_innen“ oder „Wissenschaftskongresse“.

ZUSAMMENARBEIT

Um ihre Ziele zu erreichen, arbeitet die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld mit starken Kooperationspartner_innen zusammen. Dazu gehören unter anderem: Das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin (IfZ), die Akademie Waldschlösschen (Reinhausen bei Göttingen), die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (Berlin), die Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen (LADS, Berlin), die Freie Universität Berlin, Spinnboden Lesbenarchiv und Bibliothek Berlin und die Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Im Wallstein Verlag (Göttingen) erscheint die Schriftenreihe der Stiftung.)

VERMÖGEN UND FINANZIERUNG

Die Stiftung finanziert ihre Arbeit aus den Erträgen des Stiftungsvermögens sowie anderen Zuwendungen (z.B. Spenden, selbst beantragte Fördermittel für die stiftungseigenen Projekte, weitere Drittmittel). Die Stiftung darf auch Zustiftungen und Nachlässe annehmen. Das Vermögen der Stiftung belief sich zum Stichtag 31.12.2014 auf ca. 11,62 Mio. Euro.

In Zeiten niedriger Zinsen ist die BMH unbedingt auf Spenden angewiesen, um ihre ambitionierten Ziele erreichen zu können. Mit Ihren Spenden tragen Sie dazu bei, dass durch Wissenschaft sowie Bildung und Forschung insbesondere die nationalsozialistische Verfolgung in Erinnerung gehalten und einer gesellschaftlichen Diskriminierung von LSBTTIQ in Deutschland auch in Zukunft entgegengewirkt wird. Geschichte wiederholt sich, das zeigen z.B. die aktuellen Gesetze gegen Homosexuelle in Russland. Toleranz und Akzeptanz muss jede Generation neu lernen.

TRANSPARENZ DER ARBEIT

Einmal jährlich veröffentlicht die BMH ihren Tätigkeitsbericht. Über geförderte und eigene Projekte informiert die Stiftung laufend auf ihrer Homepage und in sozialen Netzwerken (z.B. Twitter und Facebook), mittels Pressemitteilungen und Pressespiegel sowie auf eigenen Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet.

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