Fachtag in Dresden: „Refugees and Queers“

„Refugees and Queers. Zur Verschränkung von Geflüchteten- und LSBTTIQ-Emanzipationspolitiken – Chancen, Herausforderungen, Forschungsstand.“

Ein Fachtag der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld am 26.11.2016 im Deutschen Hygiene Museum Dresden.

Die Entscheidung der Bundesregierung im Spätsommer 2015 zu einer „Politik der offenen Grenzen“ führte zu einer heftig diskutierten politischen und gesellschaftlichen Debatte, die sich zwischen der neuen ‚Willkommenskultur‘, dem „wir schaffen das“ der Bundeskanzlerin Angela Merkel, paternalistischen Zuschreibungen, rassistischem Backlash und rechtspopulistischer Propaganda aufspannte. In dieser Gemengelage und einer bewussteren Wahrnehmung von Fluchtbewegungen nach Europa allgemein, wird auch eine spezifische Gruppe sichtbarer in die Diskussion gerückt: lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche und queere Menschen auf der Flucht – kurz LSBTTIQ-Geflüchtete.

In der LSBTTIQ-Community entsteht derzeit einerseits ein zunehmendes Bewusstsein über Flucht und Migration und das Bedürfnis, sich hier politisch und unterstützend einzubringen. Andererseits werden mit der derzeit verstärkten Migrationsbewegung auch Sorgen um emanzipatorische Errungenschaften laut, die zum Teil jedoch in rassistische Zuschreibungen abgleiten. Hierfür ist ein differenzierter und emanzipativer Diskurs notwendig, der potentielle Herausforderungen, aber auch Chancen und Möglichkeiten an der Schnittstelle von emanzipatorischen Politiken zu LSBTTIQ und Flucht/Asyl/Migration in den Blick nimmt, jenseits von Verallgemeinerungen und Paternalismus.

Geschlechtsspezifische Verfolgung ist in Deutschland seit 2005 ein anerkannter Asylgrund, hierunter fallen Formen sexueller Gewalt und die Diskriminierung auf Basis von Geschlecht oder sexueller Orientierung. Schätzungen zufolge sind ca. 10 % der derzeit einreisenden Geflüchteten Menschen marginalisierter sexueller Orientierungen oder geschlechtlicher Identitäten. Sie sind in der BRD – auch wenn ihnen hier rechtlich gesehen keine Verfolgung droht – mit spezifischen Formen von Diskriminierungen konfrontiert. Bislang gibt es zu den konkreten Bedarfen von LSBTTIQ-Geflüchteten nur wenige Hintergrundinformationen. Zahlreiche Initiativen und (Selbst-)Organisationen beschäftigen sich mit dem Thema aber umfassendere wissenschaftliche Erhebungen sind erst am Entstehen.

Das Ziel des Fachtags ist daher eine Trennung von aktivistischer und universitärer Forschung zu vermeiden und in einen gemeinsamen Dialog zu treten. Zum einen soll der aktuelle Forschungsstand zu lesbischen, schwulen, bisexuellen, queeren, trans- und intergeschlechtliche Geflüchteten abgebildet und explizit Forschungslücken ausgemacht bzw. bislang noch zu wenig beachtete Forschungsfragen diskutiert werden. Zum anderen sollen Möglichkeiten ‚guter‘ – im Sinne von partizipativer und erfahrungsorientierter – Forschung diskutiert werden. Hierfür soll die jahrzehntelange Arbeit von Migrant_innen-Selbstorganisationen (MSO) und Aktivist_innen im Bereich Flucht/Migration/Asyl und antirassistischer Bildung ebenso vertreten sein wie neu entstehende Initiativen aus der LSBTTIQ-Community. Ziel ist eine praxisnahe wissenschaftliche Diskussion der spezifischen Lebensumstände und Bedürfnisse von LSBTTIQ-Geflüchteten, ein sprechen mit statt ein sprechen über oder für und das Erstellen praxisnaher Empfehlungen an Wissenschaft und Politik.

Es wird Übersetzungen auf Englisch geben, wenn gewünscht auch Arabisch und Farsi.

Botschafterin des Fachtags ist die Menschenrechts-Anwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş.

Gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung und die Akademie Waldschlösschen.

In Kooperation mit der Stiftung Akademie Waldschlösschen und unterstützt vom Migrationsrat Berlin Brandenburg, GLADT e.V., gerede e.V. Dresden und Rainbow Refugees Dresden.

Die Veranstaltung ist ausgebucht. Die Anmeldung ist geschlossen.

Das aktuelle Programm:

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Hier können Sie das Programm herunterladen.

 

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